Maßnahmen

Handlungsansätze für bessere Luft in Stuttgart

Innovationen für einen stadtverträglichen Wirtschaftsverkehr

In Stuttgart wird aufgrund schlechter Luft immer wieder Feinstaubalarm ausgelöst. Land und Stadt versuchen seit Jahren mit verschiedenen Maßnahmen die Überschreitungen der Immissionswerte für Feinstaub und Stickoxide zu senken.
Die IHK Region Stuttgart will die Landeshauptstadt in ihren Bemühungen um bessere Luft und eine attraktive Stadt unterstützen. Ansatz dabei ist, Leben, Arbeiten und die dafür notwendige Mobilität von Produkten und Dienstleistungen, Berufspendlern sowie Besucherinnen und Besuchern in Stuttgart besser aufeinander abzustimmen.

Mögliche Maßnahmen zur Luftverbesserung

Die Stuttgarter Innenstadt ist gekennzeichnet von schlechten Zugangsbedingungen, zu kurzen Lieferzeitfenstern, wenig zuverlässigen Verkehrsinformationen und Staus. Betroffen sind neben dem Individualverkehr besonders die zahlreichen Betriebe aus Transport (Personen und Güter), Handel, Dienstleistung und produzierendem Gewerbe. Dazu kommen noch das Handwerk und der öffentliche Dienst.
Stuttgart braucht ein Versorgungs- und Logistikkonzept, das zusammen mit der Wirtschaft entstehen muss, um die Funktionsfähigkeit dieser Großstadt zunächst im Falle überschrittener Grenzwerte zu erhalten. Mehr noch: Ziel muss es sein, Stuttgart langfristig zu einer Modellstadt nachhaltiger Mobilität zu machen. Dazu gehören Ideen für einen stadtverträglichen Wirtschaftsverkehr.

Ansatzpunkte für eine zeitnahe Verbesserung der Innenstadtlogistik

  • Lieferzeiten
    Die Lieferzeitfenster in den Fußgängerzonen, die in den 1970er Jahren vor dem Hintergrund anderer Ladenöffnungszeiten eingeführt wurden, müssen an die Bedürfnisse der dort ansässigen Handels- und Dienstleistungsunternehmen angepasst werden. Die Aufhebung von Lieferzeitbeschränkungen bei Belieferung der Geschäfte zu Fuß, mit Lasträdern oder kleinen Elektrofahrzeugen sollte dabei kein Tabu sein.
  • Mobile Depots
    Mobile Depots am Rande von Innenstadtbereichen beziehungsweise Fußgängerzonen, in denen Sendungen zwischengelagert und von dort aus weiterverteilt werden, könnten als Basis innovativer Liefersysteme dienen.
  • Zusätzliche Lieferzonen
    Die Einrichtung zusätzlicher Lieferzonen, speziell in den Teilen des Stadtgebiets, in denen das Parkraummanagement gilt, ist ein weiterer Ansatz zur Verbesserung der Lieferbedingungen. Für eine vorausschauende Straßenraumgestaltung unter Berücksichtigung des Lieferverkehrs ist eine Erfassung der bestehenden Lieferinfrastruktur unerlässlich.
  • Moderne Lieferkonzepte
    Für Unternehmen ist der Einsatz von Warenempfangskonzepten interessant, bei denen die Belieferung und die Übergabe von Retouren an den Logistikdienstleister außerhalb der Geschäftszeiten ermöglicht wird. Auch ein Rampen-Zeitfenstermanagement, bei dem sich Logistikdienstleister vorab einen Zeitraum an der Rampe des Warenempfängers buchen können, kann zu einer optimierten Tourenplanung beitragen.
  • Zuverlässige Verkehrsinformationen
    Zuverlässige Verkehrsinformationen sind wichtig, um Staus und Behinderungen zu vermeiden. Hierfür bedarf es entsprechender moderner Technik. Durch zuverlässige Verkehrsinformationen könnten künftig Staus vermieden und eine Entlastung der Straßen etwa durch gezielte antizyklische Tourenplanung erreicht werden.
  • Wirtschaftsverkehr als Bestandteil der Verkehrsplanung
    Der Wirtschaftsverkehr, der mit etwa 25 bis 30 Prozent am Gesamtverkehr der Landeshauptstadt beteiligt ist, sollte in der Verkehrsplanung künftig stärker berücksichtigt werden. Konkret heißt das: Die Erarbeitung eines Logistikkonzepts insbesondere mit konkreten Zielen für die künftige Entwicklung des innerstädtischen Lieferverkehrs. Das schafft Planungssicherheit für die Unternehmen und fördert zugleich Innovationen.
  • Arbeitskreis Innenstadtlogistik
    Der Arbeitskreis Innenstadtlogistik hat schon bislang gute Arbeit geleistet und sich als Plattform für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Verwaltung und Wissenschaft bewährt. Daher sieht ihn die IHK auch weiterhin als Basis für gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt.
  • Fuhrpark der Landeshauptstadt
    Zum Wirtschaftsverkehr gehört auch der kommunale Fuhrpark. Die Landeshauptstadt selbst könnte durch den Einsatz moderner Fahrzeuge einen aktiven Beitrag zur Luftverbesserung leisten. Das gilt auch für die SSB.
Die genannten Maßnahmen sind nur als Auftakt zu sehen. Langfristig wünschenswert ist ein Gesamtkonzept, das neben konventionellen Maßnahmen auch besonders innovative Ideen enthalten sollte.

Beispiele für langfristige Maßnahmen

  • Elektrofahrzeuge fördern
    Land und Stadt könnten Anreize setzen, um die Anschaffung von Elektrofahrzeugen für den Wirtschaftsverkehr attraktiver zu machen.
  • Öffentlicher Personennahverkehr
    Der Ausbau von Park-and-Ride-Angeboten erscheint wie der Ausbau des Angebots im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) von großer Bedeutung. Gerade beim ÖPNV müssen Kapazitäten geschaffen und auf Flexibilisierung der Arbeitszeit reagiert werden. Eine bessere Anbietung von Gewerbegebieten ist ebenfalls sinnvoll, wenn langfristig Verbesserungen erzielt werden sollen.
  • Verbesserung der Straßenverkehrsinfrastruktur
    Verkehr, dessen Quelle oder Ziel nicht in der Innenstadt liegt, könnte um den Stuttgarter Kessel geleitet werden. Möglich wäre das mit einer Filderauffahrt, dem Ausbau der A 8 zwischen Stuttgart-Möhringen und dem Stuttgarter Autobahnkreuz sowie mit einer leistungsfähigen Verbindung zwischen Kornwestheim/Ludwigsburg und Waiblingen/Fellbach. Dass diese Maßnahmen geeignet wären, die Situation in Stuttgart zu verbessern, belegt eine IHK-Studie zu den Stau-Ursachen in Stuttgart.
  • Kluge Innenstadtlogistik
    Sowohl in der Kernstadt als auch in den Außenbezirken könnten „Urban Hubs” an zentral gelegenen Punkten für Entlastung sorgen. Dort werden die Verkehrsträger des Umweltverbunds vernetzt. Gleichzeitig sollte an diesen Punkten auch eine Infrastruktur für die Nahversorgung sowie die Warenversorgung – zum Beispiel mit Paketstationen – geschaffen werden. Auch innenstadtnahe Umschlagsflächen, die idealerweise auch per Schiene erreicht werden können, sind für eine moderne Innenstadtlogistik wichtig. Von dort aus könnte eine Feinverteilung mit kleineren (Elektro-)Fahrzeugen erfolgen.
  • Logistik der Zukunft
    Auch die Umsetzung zukunftsträchtiger Pilotvorhaben, die einen unterirdischen Warentransport – beispielsweise in Fahrrohrleitungen – vorsehen, ist interessant und sollte geprüft werden. Nicht zuletzt das zukünftige Rosensteinviertel könnte als Labor und Musterbeispiel für die Umsetzbarkeit solcher Vorhaben genutzt werden.
Einen Überblick zu den Positionen, Aktivitäten und Veröffentlichungen der IHK Region Stuttgart rund um die Themen Luftreinhaltung und drohende Fahrverbote finden Sie hier.
Stand: Juni 2017