IHK-Pressemitteilung vom 07.02.2017

IHK: Regionale Konjunktur startet mit Allzeithoch ins neue Jahr

Betriebe um US-Geschäft besorgt, aber unaufgeregt
„Die Stimmung in der Wirtschaft ist so gut wie nie. Fast alle Unternehmen in der Region Stuttgart sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden oder mehr als das“, sagt Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Tatsächlich weisen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Region Stuttgart, an der sich zu Beginn des Jahres rund 900 Unternehmen aller Branchen und Größen im Ballungsraum Stuttgart beteiligt haben, einige Superlativen auf. Auch die Erwartungen für die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten sowie die Beschäftigungspläne sind fast unisono positiv. „Allerdings könnte die auslandsorientierte Wirtschaft aufgrund der aktuellen Entwicklungen in den USA einen Dämpfer bekommen“, befürchtet Richter mit Bezug auf die protektionistischen Äußerungen von US-Präsident Trump. „Die Unternehmen sind besorgt, aber nicht in Aufregung“, weiß der IHK-Hauptgeschäftsführer aus Gesprächen mit Unternehmensvertretern. „Die Verantwortlichen in den Betrieben beobachten die Entwicklungen sehr genau, orientieren ihre unternehmerischen Entscheidungen aber an Tatsachen und nicht an Spekulationen“, so Richter.

In der Umfrage beurteilen fast 54 Prozent der Unternehmen ihre Lage „gut“ – eine weitere Steigerung gegenüber dem Herbst um mehr als vier Prozentpunkte. Bauwirtschaft, Dienstleister sowie Hotel- und Gaststättengewerbe sehen sich im Allzeithoch. Der Anteil der Industriebetriebe mit guter Lageeinschätzung hat um mehr als sechs Punkte von rund 43 auf fast 50 Prozent zugelegt. Auch der Großhandel beurteilt seine Lage besser als im Herbst (gute Lage: plus zehn Prozentpunkte). Der Einzelhandel sieht sich dagegen in einer schlechteren Situation (gute Lage: minus vier Prozentpunkte). Rund 41 Prozent aller Befragten (minus vier Prozentpunkte) bewerten ihre Lage mit „befriedigend“. Die Zahl der Betriebe, die über schlechte Geschäfte klagen, ging auf fünf Prozent zurück (minus 0,6 Prozentpunkte). Gründe für die gute Situation sind ein tendenziell schwacher Euro als Stütze deutscher Exporte, den privaten Konsum steigernde niedrige Zinsen sowie die positive Arbeitsmarktentwicklung.

Damit dürfte die Binnennachfrage weiter moderat expandieren, was sich in verbesserten Auftragseingängen zeigt. Bauwirtschaft, Industrie und Servicebetriebe melden steigende Nachfrage. Der Großhandel verharrt auf hohem Niveau. Bauwirtschaft und Dienstleitungsbranche haben ihre Budgets für Inlandsinvestitionen aufgestockt. Bei Industrie und Handel fallen die Investitionspläne dagegen etwas verhaltener aus als letzten Herbst. Sie bleiben aber aufwärts gerichtet.

Die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten zwölf Monate fallen laut Umfrage insgesamt nochmals positiver aus als vor vier Monaten. Der Anteil der Betriebe, die im Vergleich zur letzten Umfrage sich verbessernde oder gleichbleibende Geschäfte erwarten, ist um eineinhalb Prozentpunkte von knapp 91 auf über 92 Prozent gestiegen. Schlechtere Geschäfte erwarten nur knapp acht Prozent der Befragten, gegenüber mehr als neun Prozent im Herbst 2016. Die Mehrheit geht zudem davon aus, ihre Umsätze auf hohem Niveau halten zu können. Vier von zehn Betrieben trauen sich sogar weitere Umsatzsteigerungen zu.

Auch die regionale Exportwirtschaft ging zu Beginn des Jahres von einer weiterhin guten Geschäftsentwicklung aus. Gut vierzig Prozent der auslandsorientierten Betriebe waren optimistisch, nur knapp acht Prozent pessimistisch. Das betrifft vor allem die europäischen, nordamerikanischen und asiatischen Märkte. „Ob der Optimismus gerechtfertigt war oder nicht, werden die weiteren wirtschafts- und außenpolitischen Maßnahmen der US-Regierung und die sich daraus ergebenden Folgen für US-Exporte und US-Investitionen zeigen“, konstatiert der IHK-Hauptgeschäftsführer. Auch die Folgen des Brexit vor allem für Fahrzeugbau, Maschinenbau und Elektrotechnik seien zurzeit nicht gänzlich absehbar, wenngleich diese von den Unternehmen praktisch schon „eingepreist“ seien, so Richter.

Nochmals gestiegen sind auch die Beschäftigungspläne der meisten Umfrageteilnehmer. Mehr als ein Viertel will zusätzliches Personal einstellen – ein Plus von dreieinhalb Prozentpunkten gegenüber vergangenem Herbst. Wiederum 60 Prozent der Befragten wollen ihre Belegschaften konstant halten und rund 15 Prozent (minus drei Prozentpunkte) müssen Personal abbauen. Die meisten Neueinstellungen planen Dienstleister und Baubetriebe. Auch die Industrie will wieder Personal aufbauen.

Angesichts anhaltenden Fachkräftemangels fürchten nunmehr schon 47 Prozent der befragten Betriebe allerdings, dass sie nicht für alle offenen Stellen die dringend benötigten Fachkräfte finden werden mit entsprechend negativen Folgen für ihre geschäftliche Entwicklung. In einer besonders kritischen Situation sieht sich das Hotel- und Gaststättengewerbe. Immer weniger hofft man hier auf Ersatz für ausscheidendes Personal.