IHK-Pressemitteilung vom 09.06.2017

Nach Wahl in GB: Mehr um britische Investoren werben

IHK listet Vorteile von Region und Land auf
Die Region Stuttgart und das Land Baden-Württemberg können vom bevorstehenden Brexit auch profitieren. Daher sollten Region und Land gezielt Investoren aus dem Vereinigten Königreich ansprechen, so Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart.
Nach der gestrigen Unterhaus-Wahl in Großbritannien zeichnet sich laut Richter eine schwierige und unsichere Phase beim beschlossenen Ausstieg des Landes aus der EU ab, über den auch viele britische Unternehmen nicht glücklich seien. Offenbar sei der geplante Beginn der Austrittsverhandlungen offen, zugleich stehe der Austritt für Ende März 2019 durch die Erklärung der britischen Premierministerin May vom 29. März 2017 fest.
Großbritannien steht für Baden-Württemberg im Ranking der wichtigen Auslandsmärkte an der sechsten Stelle. Richter: „Unsere Unternehmen haben daher großes Interesse an einem möglichst ungehinderten Zugang nach Großbritannien für Waren, Dienstleistungen und Personen aus der Region Stuttgart und Baden-Württemberg“.
Zugleich stellt die IHK fest, dass die Geschäfte mit Großbritannien nachlassen, aber Investoren von dort Interesse an der Region haben. So ist im ersten Quartal 2017 der Export von Baden-Württemberg auf die britischen Inseln im Vergleich zum Vorjahresquartal um 10,8 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro zurückgegangen. Die Zahl der britischen Handelsregister-Unternehmen ist von 2014 bis 2016 um 60 auf 201 Betriebe angestiegen. Damit liegt Großbritannien unter den Investoren aus EU-Ländern jetzt an der Spitze. Sie werden nur von der Schweiz (486 Betriebe) und den USA (238 Betriebe) übertroffen.
„Wir sollten das Interesse vieler britischer, aber auch dort tätiger deutscher Investoren nutzen, die die britischen Inseln verlassen wollen, um drohende künftige Hürden für diesen Standort im internationalen Handel zu umgehen“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer. Auch viele deutsche Betriebe mit Engagement in Großbritannien denken laut der bundesweiten Umfrage „Going International 2017“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) über eine Verlagerung nach Deutschland nach. Zugleich könnte die Region Stuttgart für Commonwealth-Länder interessant werden. Denn die britischen Inseln dürften nach einem EU-Austritt ihre bisherige Brückenfunktion für diese Länder verlieren, um den europäischen Markt zu erschließen. Dies betreffe insbesondere Kanada.
„Die Region Stuttgart und Baden-Württemberg haben viele Vorteile, die es in dieser Konzentration selten anderswo gibt“, meint Richter. Er verweist auf den europäischen Spitzenplatz bei Innovationen und Patentanmeldungen, führende Forschungseinrichtungen, die international vernetzten Cluster Automotive, Maschinenbau, Engineering-Dienstleister und Kreativwirtschaft, die Exportstärke der regionalen Industrie (69 Prozent der Umsätze werden im Ausland erwirtschaftet), die internationale Verkehrsanbindung durch Flughafen und Schnellbahnnetz sowie auf den hohen Ausbildungsstand in den Betrieben, der durch die duale Ausbildung, Weiterbildungskonzepte und die vielfältige Hochschullandschaft geprägt wird. Die mittelständische Struktur biete zudem gute Voraussetzungen für Investitionen und Gründungen, so Richter. Die Herkunft der Belegschaften sei international. Dies, die kulturelle Vielfalt sowie die hohe Lebensqualität böten gute Chancen der Integration. Als weiteren Vorteil sieht Richter die Nähe zur Schweiz und zu Frankreich und die kürzere Entfernung zu wichtigen Produktionsstandorten in Ost- und Südeuropa.