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STANDORTPOLITIK, WIRTSCHAFTSPOLITIK

Wie attraktiv sind Standorte in der Region Stuttgart? Eine Analyse der Sitzverlagerungen 2005-2008.

Die vorliegende Untersuchung analysiert die Verlagerung von Unternehmenssitzen in der Region Stuttgart, erforscht die Umzugsmotive der Betriebe und misst die Attraktivität aller 179 Gemeinden der Region anhand objektiver statistischer Kennzahlen.

In den vier Jahren zwischen 2005 und 2008 haben sich 7.524 Unternehmen 8.212-mal für eine Verlagerung ihres Betriebes an einen attraktiveren Standort entschieden. In knapp 60 Prozent der Fälle handelte es sich dabei um Umzüge über die Gemeindegrenze hinaus: 2.359 mal sind Betriebe innerhalb der Region Stuttgart an einen attraktiveren Standort umgezogen, 1.049 mal haben Unternehmen ihren Firmensitz in der Region Stuttgart verlassen, um sich an einem besseren Standort außerhalb der Region nieder zu lassen, 1.347 mal sind Betriebe von außerhalb in die Region Stuttgart zugezogen. Allein diese Zahlen zeigen, dass es lohnt, sich intensiv mit dem Umzugsverhalten der Unternehmen auseinanderzusetzen.

Die wichtigsten Ergebnisse der Sitzverlagerungsanalyse in Kurzform:

  • Innerhalb von vier Jahren (2005-2008) ist jede fünfte Firma mindestens einmal umgezogen. Damit war die Mobilität der Unternehmen im Vergleich zur Vorperiode (2000-2004) leicht rückläufig.
  • In der überwiegenden Zahl der Sitzverlagerungen wurden nur geringe Entfernungen zurückgelegt: 42 Prozent der Betriebe zogen innerhalb derselben Gemeinde um. Weiter 15 Prozent zogen in eine Gemeinde im selben Kreis.
  • Während die Region Stuttgart in der Vorperiode noch per Saldo 173 Betriebe an andere Regionen verloren hatte, konnte sie zwischen 2005 und 2008 vom Sitzverlagerungsgeschehen profitieren: Es haben deutlich weniger Unternehmen die Region Stuttgart verlassen als neue Betriebe zugezogen sind. Der Nettogewinn betrug 288 Betriebe bzw. 0,6 Prozent aller ins Handelsregister eingetragenen Unternehmen.
  • Alle Branchen haben im Sitzverlagerungsgeschehen Unternehmen hinzugewonnen. Am stärksten war der relative Nettogewinn mit 0,7 Prozent bei den Dienstleistern und im Baugewerbe.
  • Der Landkreis Göppingen verlor als einziger Kreis der Region per Saldo Unternehmen (-0,2 Prozent). Am stärksten profitierte der Landkreis Esslingen vom betrieblichen Umzugsgeschehen und gewann 123 Firmen hinzu (+1,4 Prozent).
  • Auch in den Gemeinden gibt es Gewinner und Verlierer: Bei den großen Kommunen hat Leinfelden-Echterdingen, bei den mittleren Besigheim und bei den kleinen Drackenstein die Nase vorn. Die letzten Plätze belegen in den jeweiligen Größengruppen Geislingen an der Steige, Donzdorf und Hohenstadt.

Die Motive der verlagernden Unternehmen im Überblick:

  • Die Firmen messen dem Standortfaktor Verfügbarkeit und Preis von Gewerbeflächen, Ladengeschäften bzw. Büroräumen die größte Bedeutung bei der Entscheidung für den Umzug bei. An zweiter und dritter Stelle in der Relevanz folgen die Faktoren Marktpotenzial und Verkehr.
  • Unternehmen, die die Region Stuttgart verlassen haben, nennen neben zu hohen Immobilienpreisen, Löhnen sowie kommunaler Steuern und Abgaben, insbesondere eine nachlassende Verfügbarkeit geeigneter Gewerbeflächen als Hauptgründe für ihre Abwanderung.
  • Obwohl die Region Stuttgart auch für zuziehende Unternehmen ein teures Pflaster ist, überwog der Wunsch, der eigenen Kundschaft näher zu sein. Auch konnten hiesige Standorte mit guter Straßenanbindung, hoher Kaufkraft, guter Fachkräfteverfügbarkeit und ausgeprägter Kundenbindung punkten.
  • Die Verfügbarkeit und Preise von Gewerbeflächen bzw. -räumen, eine gute Anbindung ans überregionale Straßennetz, der öffentliche Personennahverkehr sowie die Kundennähe zählten zu den wichtigsten Standortfaktoren für die Betriebe, die innerhalb der Region Stuttgart umgezogen sind.
  • Eine ausreichende Verfügbarkeit von Immobilien und Fachkräften sowie eine akzeptable Anbindung ans Fernstraßennetz sind für die Betriebe aus allen Branchen unabdingbar bei der Standortwahl. In der Industrie kommt der Kundennähe, im Handel der Verfügbarkeit und dem Preis von Wohnraum und im Service der Flughafenanbindung eine überdurchschnittliche Bedeutung zu.
  • 90 Prozent der umgezogenen Betriebe würde erneut die gleiche Standortortentscheidung treffen: Denn gut 61 Prozent aller Betriebe konnten seitdem ihren Umsatz steigern, 56 Prozent ihre Gewinne erhöhen und 57 Prozent zusätzliches Personal einstellen.
  • Ein Drittel der Betriebe, die sich an der Sitzverlagerungsumfrage beteiligt haben, sind aus überwiegend privaten Gründen umgezogen - vorwiegend kleinere Unternehmen aus den Bereichen Handel und Dienstleistungen.

Die Messergebnisse zur Standortattraktivität :

  • Zu den derzeit wirtschaftlich attraktivsten großen Gemeinden in der Region Stuttgart zählen Leinfelden-Echterdingen, Bietigheim-Bissingen, Ostfildern, Filderstadt und Ludwigsburg.
  • Am Ende der Attraktivitätsrangliste der großen Gemeinden in der Region Stuttgart finden sich Geislingen an der Steige, Göppingen, Winnenden, Schorndorf und Backnang wieder.
  • Die größte Standortattraktivität unter den 34 Gemeinden mit 10.000 bis unter 22.000 Einwohnern besitzen Schwieberdingen, Korntal-Münchingen, Denkendorf, Holzgerlingen und Gerlingen. Noch nicht ganz auf dem Niveau der Top-Standorte befinden sich Asperg und Besigheim, die sich jedoch in den letzten Jahren mit großer Dynamik entwickelt haben.
  • Auf den letzen vier Plätzen im Attraktivitätsranking der mittleren Gemeinden liegen mit Murrhardt, Donzdorf, Rudersberg und Welzheim genau die vier Gemeinden mit der ungünstigsten verkehrlichen Erreichbarkeit.
  • Bei den kleinen Gemeinden hat sich Ehningen die Pole-Position ganz knapp vor Unterensingen und Deizisau gesichert. Das Spitzentrio aus der Vorgängeruntersuchung, Wangen, Nufringen und Weissach mussten aufgrund ihrer vergleichsweise mäßigen Entwicklungsdynamik einige andere Gemeinden an sich vorbeiziehen lassen.
  • Schlusslichter bei den kleinen Gemeinden sind wie schon bei den mittleren Kommunen solche Standorte, die aufgrund ihrer Verkehrssituation benachteiligt sind: Lauterstein, Großerlach, Kaisersbach, Deggingen und Birenbach.
  • Die Ergebnisse der Sitzverlagerungsanalyse „harmonieren” gut mit dem Attraktivitätsindex der Gemeinden. Bei der Mehrheit der Kommunen weichen die Positionen im Sitzverlagerungsranking und im Attraktivitätsranking um nicht mehr als fünf Rangplätze voneinander ab.

DOKUMENT-NR. 17038

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