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STANDORTPOLITIK, WIRTSCHAFTSPOLITIK

Innovationsregion Stuttgart im Metropolenvergleich

Wer besser werden will, muss wissen, wo er steht. Aus diesem Grund hat die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart in ihrer Untersuchung „Innovationsregion Stuttgart“ die Wettbewerbsfähigkeit von 13 deutschen Metropolen verglichen. Untersucht wurden alle Regionen um eine Großstadt mit mindestens 500.000 Einwohnern:  Stuttgart, München, Hamburg, Berlin, Köln-Bonn, Frankfurt/Main, Düsseldorf, Bremen, Ruhrgebiet, Hannover, Dresden, Nürnberg und Halle/Leipzig.

Die Region Stuttgart liegt im Standortwettbewerb der deutschen Wirtschaftsmetropolen auf einem Spitzenplatz. Sie ist der führende Industrie- und Innovationsstandort Deutschlands und lässt bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Höhe von 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sowie mit 165 Patentanmeldungen pro 100.000 Einwohner alle übrigen Regionen weit hinter sich. Zudem hat der Ballungsraum Stuttgart die dritthöchste Kaufkraft nach Frankfurt und München. Auch beim Thema Bildung ist die Region Stuttgart vorbildlich. Nur 5,5 Prozent der Schulabgänger haben keinen Abschluss.

Obwohl die Region Stuttgart in der jüngsten Krise den höchsten prozentualen Anstieg der Arbeitslosenquote aller Vergleichsregionen zu verschmerzen hatte liegt sie sowohl in der langfristigen Betrachtung als auch aktuell noch immer an zweiter Stelle hinter der Region München.

Handlungsbedarf besteht vor allem bei der Frage, wie gut die Region angesichts geringer Zuwanderung und niedriger Frauenerwerbsquote den rasch wachsenden Fachkräftebedarf in Zukunft bewältigen kann. So beträgt beispielsweise die Differenz zwischen der Erwerbsquote der Männer und der Frauen knapp 17 Prozentpunkte, in den übrigen westdeutschen Regionen im Durchschnitt nur zwölf, während in den ostdeutschen Metropolen das Verhältnis sogar umgekehrt ist.

Auch bei Technologietransfer, Existenzgründungen und Tourismus gibt es Nachholbedarf. 2.470 Übernachtungen von Geschäftsreisenden und Touristen pro 1.000 Einwohner reichen der Region Stuttgart nur für den zehnten Platz unter den Vergleichsregionen.

Die Broschüre können Sie über den Link neben diesem Text herunterladen oder über unseren Shop beziehen.

Die Ergebnisse im einzelnen

Eingeschränkte und teure Expansionsmöglichkeiten - die Region Stuttgart ist eine der am dichtesten besiedelten Metropolen sowohl im Kern, der Landeshauptstadt Stuttgart, als auch im Umland. In der Stadt Stuttgart beträgt die Bevölkerungsdichte 2.886 Einwohner pro Quadratkilometer. Nur zwei Regionen kommen im Kern auf eine höhere Bevölkerungsdichte. Das Stuttgarter Umland wird sowohl nach Bevölkerung (602 Einwohner pro Quadratkilometer) als auch nach Fläche (22 Prozent besiedelte Fläche) nur von den dicht besiedelten Rhein-Ruhr-Regionen übertroffen. Bauland ist lediglich um München herum teurer als hier.

Zentrum des Fahrzeugbaus - Schwerpunkt der regionalen Wirtschaftsstruktur ist der Fahrzeugbau mit einem fast dreimal höheren Beschäftigtenanteil als im Metropolendurchschnitt. Weitere wichtige Branchen sind Maschinen- und Anlagenbau sowie Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Kunststoffherstellung, technische Beratung sowie das Verlagswesen und Druckgewerbe. Insgesamt hat die Region von allen Vergleichsregionen die höchste Beschäftigtendichte in der Industrie.

Fleißige Schwaben - In der Region Stuttgart gehen 76 Prozent der insgesamt 1,8 Millionen Einwohner im erwerbsfähigen Alter einer Erwerbstätigkeit nach. Nur die Region München kommt auf einen höheren Wert. Damit verfügt aber die Region selber nur noch über ein geringes zusätzliches Arbeitskräftepotenzial.

Viel Konkurrenz im Umland - Fast alle Metropolregionen profitieren von Pendlerströmen aus den angrenzenden Regionen. Die Region Stuttgart übt auf das Umland allerdings nur eine durchschnittliche Anziehungskraft aus und bewegt sich mit einem Pendlersaldo von rund neun Prozent aller Erwerbstätigen bzw. knapp 100.000 Beschäftigten im Mittelfeld der Metropolregionen.

Kaufkräftige und kauffreudige Bevölkerung - Die Einwohner der Region Stuttgart zählen zu den kaufkraftstärksten aller Metropolregionen. Die Kaufkraft pro Einwohner beträgt 21.908 Euro, der dritthöchste Wert nach München und Frankfurt. Zwar ist der für den Einzelhandel relevante Anteil im Vergleich der geringste, absolut betrachtet kommt die Region aber - auch dank überregionaler Anziehungskraft - auf einen deutlich überdurchschnittlichen Einzelhandelsumsatz je Beschäftigtem von 198.793 Euro.

Nachlassendes Wachstum auf hohem Niveau - Die Region Stuttgart liegt bei der Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung deutlich über dem Metropolendurchschnitt an vierter Stelle. In der Stadt Stuttgart erwirtschaftet jeder Einwohner im Schnitt 57.520 Euro pro Jahr, in den umliegenden Landkreisen sind es 32.348 Euro. Das jährliche Wirtschaftswachstum in der Region Stuttgart betrug im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre 2,4 Prozent und liegt damit im Mittelfeld der betrachteten Regionen. Über die zweite Hälfte dieses Zeitraums ist allerdings eine deutliche Abschwächung zu verzeichnen. Das durchschnittliche jährliche Wachstum von 2,1 Prozent wird nur noch von der Region Dresden unterschritten.

High-Tech für die ganze Welt - Die Industrie der Region Stuttgart verdient mehr als jeden zweiten Euro im Ausland. Auf die gesamte Wirtschaft bezogen entspricht das einer Quote von rund 48 Prozent des Sozialprodukts – mit Abstand der höchste Wert aller Metropolregionen.

Mangel an neuen Unternehmen - Das Gründungsgeschehen in der Region Stuttgart hat sich in den letzten Jahren deutlich verlangsamt. Die Zahl der Gewerbeanmeldungen hat sich der Zahl der Abmeldungen deutlich angenähert. Der Saldo aus Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen ist zwar über die letzten zehn Jahre dennoch durchweg positiv, wird aber im Durchschnitt nur von den Regionen Düsseldorf und Ruhrgebiet unterschritten.

Weiter gute Beschäftigungssituation - Bei der durchschnittlichen Arbeitslosenquote der Jahre 1999 bis 2009 von 5,3 Prozent wird die Region Stuttgart nur von der Region München übertroffen. Die übrigen Metropolregionen liegen zwischen sieben und 18 Prozent. Auch 2010 liegt die Region Stuttgart an zweiter Stelle, obwohl sie in der jüngsten Krise den höchsten prozentualen Anstieg der Arbeitslosenquote aller Vergleichsregionen zu verschmerzen hatte.

Nachwuchslücke trotz überdurchschnittlicher Geburtenrate - Zwischen 1998 und 2008 wurden in der Region Stuttgart durchschnittlich 9,5 Prozent Kinder je 1.000 Einwohner pro Jahr geboren. Damit verursacht die demografische Entwicklung in der Region Stuttgart im Regionsvergleich zwar die kleinste Nachwuchslücke, reicht aber dennoch nur aus, um rund 80 Prozent der aus dem Arbeitsleben ausscheidenden Erwerbstätigen zu ersetzen.

Anziehungskraft nur auf Inländer - Durch Wanderungsgewinne konnte die Region Stuttgart pro 100.000 Einwohner immerhin 42 neue Mitbürger gewinnen – dennoch der fünftniedrigste Saldo aller Regionen noch nach Hannover, Bremen und Dresden. Gegenüber dem Ausland ist der Wanderungssaldo mit 158 Auswanderern pro 100.000 Einwohner sogar deutlich negativ.

Hohe Erwerbshürden für Frauen - Nur 51 Prozent der Frauen in der Region Stuttgart sind in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis, überdurchschnittliche 33 Prozent davon arbeiten in Teilzeit, die wenigsten mit einem Volumen von mehr als 50 Prozent. Die Differenz zwischen der Erwerbsquote der Männer und der Frauen beträgt knapp 17 Prozentpunkte, in den übrigen westdeutschen Regionen im Durchschnitt nur zwölf, während in den ostdeutschen Metropolen das Verhältnis sogar umgekehrt ist.

Gute Beschäftigungschancen für Ältere und Ausländer - In der Metropolregion Stuttgart sind über die Hälfte der älteren Erwerbsfähigen ab 50 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, in etwa so viele wie in München und mehr als in jeder der übrigen Regionen. Die Ausländerbeschäftigungsquote von 44,9 Prozent wird nur von der Region Frankfurt knapp übertroffen.

Hohes Ausbildungsniveau - In der Region Stuttgart haben überdurchschnittlich viele Beschäftigte einen akademischen Abschluss. Auch im Bereich der dualen Ausbildung schneidet die Region mit 326 Beschäftigten pro 1.000 Einwohner gut ab und wird nur von der Region Nürnberg übertroffen. Am anderen Ende platziert sich Stuttgart mit der geringsten Schulabbrecherquote auf dem ersten Platz vor allen anderen Regionen. Allerdings liegt die Schulabbrecherquote immer noch bei 5,5 Prozent aller Schulabgänger.

Hohe Löhne aber auch hohe Produktivität - In der Region Stuttgart werden von allen Vergleichsregionen die höchsten Löhne bezahlt. Unter Berücksichtigung von Produktivitätsvorsprüngen fällt die Region Stuttgart bei den Lohnsstückkosten im Produzierenden Gewerbe hinter München und Nürnberg auf den dritten Platz, im Dienstleistungssektor auf den siebten Platz zurück.

Viel Geld für Innovationen - Die Unternehmen der Region Stuttgart wenden 6,47 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Forschung und Entwicklung auf, wesentlich mehr als alle anderen Regionen. Zudem kommen auf 10.000 Erwerbstätige 321 Forscher und Entwickler, auch das ein Spitzenwert mit großem Abstand vor den übrigen Regionen.

Patenthochburg mit Schwäche - Stuttgart führt mit 179 Patentanmeldungen auf 100.000 Einwohner das Ranking vor München und Nürnberg an. Begünstigt wird dieses Abschneiden allerdings durch die Patentanmeldungen der Großunternehmen. Kleine und mittlere Unternehmen tun sich bei Forschung und Entwicklung schwer.

Mit der neuen Messe den Anschluss gefunden - 105.000 Quadratmeter Hallenfläche und durchschnittlich 856.000 Besucher pro Jahr reichen für das Mittelfeld der Vergleichsgruppe. Die Auslastung der Stuttgarter Messe ist auch nach der Erweiterung mit einem Hallenumschlagsfaktor von immer noch über zehn mit Abstand am größten. Der Anteil ausländischer Aussteller und Besucher ist in Stuttgart unterdurchschnittlich.

Zentrale Lage aber verstopfte Straßen - Die Erreichbarkeit Stuttgarts gemessen an der Fahrzeit bzw. der kombinierten Fahr- und Flugzeit zu anderen Agglomerationen liegt im Mittelfeld, hat sich in den letzten zehn Jahren allerdings merklich verbessert. Mit dem Ausbau des Flughafens konnten die Fluggastzahlen kräftig erhöht werden.

Andere Regionen sind eher eine Reise wert - 2.470 Übernachtungen von Geschäftsreisenden und Touristen pro 1.000 Einwohner reichen der Region Stuttgart nur für den zehnten Platz unter den Vergleichsregionen. Die Stadt Stuttgart liegt mit 4.593 Übernachtungen immerhin im Mittelfeld. Eine positive Entwicklung belegt allerdings der Anstieg der Übernachtungen von über 30 Prozent in den letzten zehn Jahren.

Ordentliche Gewerbesteuereinnahmen trotz niedriger Hebesätze - Die Region Stuttgart bietet bei der Gewerbe- und Grundsteuer die niedrigsten durchschnittlichen Hebesätze aller Vergleichsregionen. Die Kommunen können sich trotzdem über Steuereinnahmen in Höhe von fast 700 Euro pro Kopf freuen, die Gewerbesteuer trägt hierzu 541 Euro bei, ein Wert, der nur von den Regionen Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg übertroffen wird.

DOKUMENT-NR. 6417

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