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STANDORTPOLITIK, WIRTSCHAFTSPOLITIK

Gehen Baden-Württemberg die Fachkräfte aus?

Die wirtschaftliche Stärke Baden-Württembergs liegt in der Technologiekompetenz und Innovationsstärke seiner Unternehmen, mit der es sich im internationalen Wettbewerb einen der vordersten Plätze erkämpft hat. Diese Stärken fußen vor allem auf (hoch-)qualifiziertem Personal. Um die daraus resultierende Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, ist auch in Zukunft ein ausreichendes Angebot an qualifizierten Fachkräften notwendig. Die demographische Entwicklung wird schon in zehn Jahren dazu führen, dass die Zahl der Fachkräfte rapide abnimmt, sofern nicht gehandelt wird. Neue Fachkräftepotenziale im In- und Ausland müssen daher dringend erschlossen, sowie das vorhandene Potenzial so gut wie möglich aus- und weitergebildet werden. Zudem werden wir ohne längere Lebensarbeitszeiten unseren derzeitigen Wohlstand in Zukunft kaum noch halten können.

In den nächsten fünfzehn Jahren fehlen in Baden-Württemberg zunehmend Fachkräfte. Bereits 2014 wird sich in einem ersten Höhepunkt der Mangel auf rund 306.000 Fachkräfte belaufen - obwohl das Angebot an Fachkräften sich bis dahin noch nicht einmal auf dem demographischen bedingten Rückzug befindet. Schon in den nächsten Jahren werden die Betriebe händeringend nach Lehrlingen suchen. Bis 2020 geht die Zahl der Schüler im Südwesten um ein Fünftel zurück. Im Anschluss daran schlägt dann die demographische Entwicklung merklich auf das Angebot an Fachkräften durch. Zwischen 2020 und 2025 wird die Zahl der Fachkräfte in Baden-Württemberg um rund 100.000 Personen bzw. 2,6 Prozent zurückgehen. Nach 2025 wird das Fachkräfteangebot noch stärker schrumpfen. Sollte hingegen die „Rente mit 67“ nicht beibehalten werden und das tatsächliche Renteneintrittsalter auf dem heutigen Stand verharren, droht die Zahl der Fachkräfte schon zwischen 2020 und 2025 um bis zu 400.000 Personen zu schrumpfen.

Es ist deswegen unumgänglich, das gesamte Fachkräftepotenzial zu mobilisieren, das in unserer Gesellschaft schlummert: Jugendliche ohne Schulabschluss, ältere Mitarbeiter, die viel zu früh in den Ruhestand gehen, Frauen, die aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten, nicht im von ihnen gewünschten Umfang arbeiten können und qualifizierte Zuwanderer aus aller Welt.

Die Unternehmen im Südwesten haben den Ernst der Entwicklung begriffen. Sie versuchen vor allem durch mehr Aus- und Weiterbildung, durch die (längere) Beschäftigung Älterer sowie durch die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie den drohenden Engpässen zu begegnen. Auch die Suche nach Fachkräften im Ausland wird in Angriff genommen. Ohne die Unterstützung durch Politik und Gesellschaft werden sie dem Fachkräftemangel jedoch nicht Herr werden können.

Unser Arbeitsmarkt muss sich daher für Ausländer noch sehr viel stärker als bisher öffnen. Die bisherigen Reformen des Zuwanderungsrechts gingen in die richtige Richtung, aber noch nicht weit genug: Unter anderem ist es nicht nachvollziehbar, dass ausländische Studenten nach erfolgreichem Abschluss nur befristet bleiben dürfen, auch wenn sie innerhalb eines Jahres keine Anstellung finden. Dass ausländische Topverdiener zwar unbefristet bleiben können, nicht aber ihre Familien, wirkt ebenfalls nicht sehr gastfreundlich. Da fast alle Hochqualifizierten Englisch sprechen, stehen Länder wie die USA, Kanada und Australien bei der Zuwanderung von Fachpersonal ohnehin höher im Kurs.

Geringere Hürden, weniger Bürokratie, dafür aber die Einführung eines Punktesystems nach Qualifikation und Sprachkenntnissen – unabhängig von Glauben und kultureller Herkunft – würden den Weg in die Zukunft weisen. Zudem müssen die Schwächen in der Bildungs-, Familien- und Integrationspolitik beseitigt werden. Die Politik hat allerdings nur wenig Zeit, um auf diese Entwicklungen zu reagieren, die Überalterung unserer Gesellschaft zeigt unaufhaltsam ihre Auswirkungen. Geschieht auf diesen Handlungsfeldern zu wenig, sind Wirtschaft und Forschung vom Abstieg bedroht.

Detaillierte Informationen zur Entwicklung des Fachkräftemangels in Baden-Württemberg bis 2025 sowie zu den betrieblichen Gegenmaßnahmen können Sie der nebenstehenden Publikation " Gehen Baden-Württemberg die Fachkräfte aus? " entnehmen. Über den Link "IHK-Fachkräftemonitor 2025" gelangen Sie zur interaktiven Webanwendung, die die Entwicklung von Fachkräfteangebot und -nachfrage für 49 Berufsgruppen, zwölf IHK Regionen sowie 14 Wirtschaftszweige aufzeigt.

DOKUMENT-NR. 23036

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