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ARBEITSMARKT UND PERSONALPOLITIK

Betriebe setzen Personalaufbau fort

Trotz der geringen wirtschaftlichen Dynamik hat die regionale Wirtschaft im vergangenen Jahr ihren Beschäftigungsaufbau fortgesetzt. Dabei haben die Unternehmen die benötigten Fachkräfte überwiegend aus der stillen Reserve sowie durch Zuwanderung rekrutiert. Denn unter den Arbeitslosen sind nach drei Jahren eines kontinuierlichen Anstiegs der Beschäftigtenzahlen kaum noch Fachkräfte zu finden. Folglich stieg die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote von 4,2 im Jahr 2012 auf 4,3 Prozent im Jahr 2013. Die wirtschaftliche Dynamik reichte im vergangenen Jahr somit offensichtlich nicht aus, um auch die Arbeitslosen mit geringen Qualifikationen in größerer Zahl einzustellen.

Die gegenüber dem Herbst letzten Jahres nochmals leicht verbesserten betrieblichen Beschäftigungspläne für das Jahr 2014 deuten jedoch darauf hin, dass sich der moderate Beschäftigtenzuwachs in diesem Jahr fortsetzen wird. Derzeit plant etwa ein Fünftel der Unternehmen zusätzliche Einstellungen. Nur rund halb so viele wollen ihre Belegschaften verkleinern. Gerade in den Branchen mit überdurchschnittlich hohem Bedarf an zusätzlichen Fachkräften - hierzu zählen insbesondere die Anbieter von ITK- und Beratungsdienstleistungen, das Baugewerbe sowie der Pflegebereich - ist jedoch auch die Sorge, diese Fachleute nicht in ausreichender Zahl auf dem regionalen Arbeitsmarkt auch tatsächlich bekommen zu können, stark verbreitet. Im Durchschnitt aller Branchen sieht mehr als ein Drittel der Unternehmen im Fachkräftemangel ein potenzielles Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung.

Von leichten saisonalen Schwankungen abgesehen haben die Unternehmen aus der Region Stuttgart in den letzten drei Jahren ihre Belegschaften kontinuierlich aufgestockt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist zwischen Juni 2010 und Juni 2030 (noch neuere Zahlen liegen auf regionaler Ebene nicht vor) um über 67.000 Arbeitskräfte auf knapp 1.110.000 Beschäftigte angestiegen. Dieser Zuwachs fiel mit 6,5 Prozent sogar kräftiger aus als in Baden-Württemberg (6,3 Prozent) und Deutschland (5,6 Prozent). Die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen nach unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen fiel dabei jedoch sehr unterschiedlich aus. Während die Zahl der Akademikerinnen und Akademiker in der Region Stuttgart in diesen drei Jahren um knapp 20 Prozent sowie die Zahl der beruflich ausgebildeten Fachkräfte um sieben Prozent gestiegen ist, sank die Zahl der Beschäftigten ohne Berufsabschluss um über zwölf Prozent. Die von der Bundesregierung beabsichtigte Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns wird die Beschäftigungschancen gering qualifizierter Arbeitskräfte zusätzlich reduzieren und den Rückgang der Beschäftigten ohne Berufsabschluss beschleunigen.

Innerhalb der letzten drei Jahre verlief der Beschäftigungsaufbau relativ gleichmäßig. Selbst zwischen Juni 2012 und Juni 2013, als die konjunkturelle Dynamik in der Region wie auch in Deutschland fast vollständig zum Erliegen gekommen war, hat die regionale Wirtschaft ihren Personalaufbau fortgesetzt: Es konnten 19.000 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Stellen besetzt werden, was einem Plus von 1,7 Prozent entspricht. Eingestellt wurden dabei überwiegend beruflich oder akademisch qualifizierte Fachkräfte. Sie stammen überwiegend aus der sogenannten stillen Reserve oder sind aus dem In- und Ausland zugewandert. Da die Mehrheit der Arbeitslosen in der Region Stuttgart nur geringe berufliche Qualifikationen hat, langzeitarbeitslos ist oder andere die Vermittlung hemmende Defizite aufweist, sind nur wenige Betriebe auf Fachkräftesuche hier fündig geworden. Somit hat der Beschäftigtenzuwachs einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit nicht verhindern können. Die Zahl der bei den Arbeitsagenturen registrierten Arbeitslosen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1.600 Personen bzw. 2,7 Prozent. Mit 61.076 Arbeitslosen bzw. einer Quote von 4,3 Prozent gehört Stuttgart jedoch weiterhin zu den Großstadtregionen mit der geringsten Arbeitslosigkeit.

Die Beschäftigungsabsichten der regionalen Unternehmen deuten darauf hin, dass sich im gerade begonnenen Jahr 2014 an den genannten generellen Tendenzen auf dem regionalen Arbeitsmarkt nicht viel ändern wird. Während die große Mehrheit der Unternehmen aus der Region Stuttgart (68 Prozent) derzeit davon ausgeht, ihren Personalbestand in diesem Jahr nicht verändern zu müssen, planen 22 Prozent der Betriebe, ihre Belegschaften in diesem Jahr zu vergrößern. Lediglich zehn Prozent der Unternehmen befürchten, 2014 Personal abbauen zu müssen.

Am positivsten sind die Beschäftigungsabsichten der Dienstleister. Besonders hoch ist der Bedarf an zusätzlichen Fachkräften im Informations- und Kommunikationsservice sowie bei den kaufmännischen, rechtlichen und technischen Beratern. Aufgrund der positiven Auftragslage wird auch das Baugewerbe seine Beschäftigtenzahl vergrößern wollen. Die Personalpläne im Handel entsprechen in etwa dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Die regionale Industrie ist dagegen noch etwas zurückhaltender gegenüber der Schaffung zusätzlicher Stellen. Zwischen einzelnen Industriezweigen bestehen jedoch deutliche Unterschiede: In der Elektrotechnik ist die Zahl der Unternehmen mit erhöhtem Personalbedarf im Vergleich zum Herbst letzten Jahres deutlich angestiegen. Nicht ganz so expansiv, aber weiter aufwärts gerichtet sind auch die Beschäftigungsabsichten in der Metallindustrie sowie im Maschinenbau. Weiterhin eher restriktiv sind dagegen die Personalplanungen im Fahrzeugbau.

Der akute Fachkräftemangel bereitet dabei nicht nur den Unternehmen bzw. Branchen Sorgen, in denen der Bedarf an zusätzlichem Personal besonders hoch ist. Auch in anderen Branchen, die aufgrund von Fluktuation und Verrentung einen hohen Ersatzbedarf haben, machen sich viele Unternehmen Sorgen. Trotz eines insgesamt eher konstanten Personalbedarfs nennen im Hotel- und Gaststättengewerbe 72 Prozent der Betriebe den Fachkräftemangel als Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung. Im Transport- und Verkehrsgewerbe sind 54 Prozent der Unternehmen betroffen, im Baugewerbe 52 Prozent.

DOKUMENT-NR. 1417

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