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ARBEITSMARKT UND PERSONALPOLITIK

Robuste Entwicklung

Der Arbeitsmarkt erweist sich auch im Jahr 2014 weiterhin als Fels in Brandung. Die Arbeitslosigkeit ist im Schnitt der ersten neuen Monates des Jahres gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Der Personalbedarf der Unternehmen bleibt auf hohem Niveau und der Fachkräftemangel eines der am häufigsten genannten Geschäftsrisiken - trotz gestiegener Konjunkturrisiken und einer merklichen Abschwächung der konjunkturellen Dynamik. Somit dürfte sich der Trend steigender Beschäftigtenzahlen, der seit der Finanz- und Weltwirtschaftskrise im Jahr 2009 ungebrochen ist, weiter fortsetzen, wenn auch mit etwas geringeren Zuwachsraten.

Diese positive Arbeitsmarktentwicklung ist jedoch nicht in Stein gemeißelt. Nur wenn die internationale Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft erhalten bleibt, wird ihr Personalbedarf hoch bleiben. Voraussetzung dafür ist zum einen die Verfügbarkeit von Fachkräften und zum anderen eine ausreichende betriebliche Flexibilität. Darauf sollte sich die Politik besinnen, anstatt die Stellschrauben am Arbeitsmarkt immer weiter zurückzudrehen. Auch immer neue Initiativen, die für bestimmte Personengruppen die Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters wieder rückgängig machen sollen, senden angesichts einer stetig steigenden Lebenserwartung die falschen Signale. Die Wirtschaft fordert keine neuen Frühverrentungsprogramme, im Gegenteil können sich 82 Prozent der Unternehmen sogar vorstellen, ihre Fachkräfte auch über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus zu beschäftigen.

Soweit die verfügbaren Zahlen eine Beurteilung bereits zulassen, hält der positive Beschäftigungstrend des Vorjahres auch in diesem Jahr weiter an. So gab es Ende März 2014 in der Region Stuttgart 1.137.040 sozialversicherungspflichtig Beschäftige, rund 23.900 Beschäftigte bzw. 2,1 Prozent mehr als im März des Vorjahres. Aktuellere Beschäftigtenzahlen liegen derzeit nur für das Verarbeitende Gewerbe vor. Zwar fällt der Beschäftigungszuwachs in der Industrie demnach mit einem Plus von 1,5 Prozent (August 2014 gegenüber August 2013) etwas geringer aus, jedoch stieg die Zahl der Industriebeschäftigten auch im März dieses Jahres bereits mit kleinerer Rate an (ein Prozent) als gesamtwirtschaftliche Beschäftigung. Somit dürfte auch die gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsentwicklung bis in den Herbst dieses Jahres hinein weiterhin positiv verlaufen sein.

Auch die Arbeitslosenzahlen belegen die Robustheit des regionalen Arbeitsmarktes. In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren durchschnittlich 60.400 Arbeitslose bei den Arbeitsagenturen in der Region Stuttgart registriert, 2,5 Prozent weniger als im selben Vorjahreszeitraum. Jedoch scheint dieser Erholungstendenz im Herbst die Puste auszugehen. Der übliche Rückgang der Arbeitslosenzahlen nach dem Ende der Schulferien und mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres fiel deutlich geringer als üblich aus, so dass Ende September zum ersten Mal in diesem Jahr die Arbeitslosenzahl wieder den Wert aus demselben Vorjahresmonat übertraf.

Die Beschäftigungspläne der Unternehmen aus der Region Stuttgart sprechen hingegen weiterhin für eine Fortsetzung des Beschäftigungsaufbaus. Während die Mehrheit der Betriebe seinen Personalbestand in den kommenden zwölf Monaten in etwa konstant halten will (65) Prozent, wollen unverändert im Vergleich zum Frühsommer mit einem Anteil von 23 Prozent fast doppelt so viele Unternehmen ihre Belegschaften vergrößern als verkleinern (zwölf Prozent). Dabei bestehen erhebliche Unterschiede in der Beschäftigungsplanung zwischen einzelnen Branchen. Der Handel meldet wie die Gesamtwirtschaft eine leicht positive und im Vergleich zum Frühsommer in etwa konstante Beschäftigungsneigung. Die Personalpläne in der Industrie deuten angesichts der nachlassenden Nachfragedynamik darauf hin, dass eine wachsende Zahl von Betrieben sich bei der Einstellung zusätzlichen Personals vorerst zurückhalten will. Dagegen hat sich die Beschäftigungsneigung bei den Dienstleistern leicht und in der boomenden Bauwirtschaft sogar kräftig verbessert.

Dieser zusätzliche Bedarf an Fachkräften wird jedoch nicht immer auch zu steigenden Beschäftigtenzahlen führen. Denn 36 Prozent der Unternehmen haben derzeit offene Stellen, die sie nicht besetzten können. In der Bauwirtschaft haben 57 Prozent aller Betriebe Schwierigkeiten die benötigten Fachkräfte in ausreichender Anzahl zu bekommen, bei den Dienstleistern sind es 45 Prozent. Auch über den aktuellen Rand hinaus rechnen die hiesigen Unternehmen nicht damit, dass die Fachkräftesuche künftig einfacher werden könnte. Im Schnitt aller Branchen zählen vier von zehn Betrieben den Fachkräftemangel zu ihren größten Geschäftsrisiken. Gerade in den Branchen mit höherer Beschäftigungsneigung ist auch die Zahl der Unternehmen, denen der Mangel an Fachleuten Sorgenfalten auf die Stirn treibt, am größten. Die Politik sollte die Wirtschaft deshalb in noch stärkerem Maße bei der Fachkräftesicherung unterstützen und nicht durch neue Frühverrentungsprogramme das vorhandene Fachkräftepotenzial dezimieren.

DOKUMENT-NR. 1417

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