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ARBEITSMARKT UND PERSONALPOLITIK

Gebremster Beschäftigungsaufbau

Obwohl die Konjunktur im vergangenen Jahr in der Region Stuttgart erst spät an Fahrt aufnehmen konnte, haben die Unternehmen ihre Beschäftigtenzahl weiter erhöht. Im Herbst 2013 lag die Zahl der Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei 1.127.593, ein Anstieg um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Neueinstellten entstammten jedoch vor allem aus der stillen Reserve und aus der Zuwanderung (aus andern Regionen Deutschlands und aus dem Ausland). Die Zahl der registrierten Arbeitslosen ist nämlich im Jahr 2013 im Jahresdurchschnitt um knapp sechs Prozent gestiegen.

Aufgrund der größeren wirtschaftlichen Dynamik dürfte in diesem Jahr sowohl die Arbeitslosigkeit zurückgehen, als auch die Beschäftigtenzahl erneut steigen. Darauf deuten sowohl die aktuellen Arbeitsmarktzahlen als auch die Beschäftigungspläne der regionalen Unternehmen hin: Im April 2014 waren 59.499 Personen arbeitslos gemeldet, 5,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Beschäftigungspläne der regionalen Wirtschaft zeigen für die kommenden zwölf Monate weiterhin nach oben. Gebremst wird der Personalaufbau jedoch in diesem Jahr gleich von zwei Seiten: Der anhaltende Fachkräftemangel erschwert einerseits die Suche nach (hoch)qualifiziertem Personal. Der vom Bundeskabinett beschlossene allgemeine Mindestlohn wird anderseits ausgerechnet die Chancen von Arbeitslosen mit geringen oder keinen Qualifikationen auf einen Arbeitsplatz beeinträchtigen.

Im Gegensatz zum Vorjahr fällt die Arbeitsmarktbilanz in diesem Jahr nach vier Monaten erfreulich aus. Die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Arbeitslosen lag Ende April 2014 bei 1.127.593 Personen. Das sind 3.431 Arbeitslose bzw. über fünf Prozent weniger als im April des Vorjahres. Zum einen stieg die Arbeitslosigkeit aufgrund des milden Winters zunächst nicht so stark an wie üblich, zum anderen sorgt die lebhaftere konjunkturelle Entwicklung dafür, dass Arbeitslose rascher wieder in Beschäftigung kommen. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent gehört die Region Stuttgart zu den Großstadtregionen mit der geringsten Arbeitslosigkeit in Deutschland. Auch die Zahl der gemeldeten offenen Stellen bestätigt die positive Arbeitsmarktentwicklung. Im April 2014 befanden sich 17.882 offene sozialversicherungspflichtige Stellen im Angebot der Agenturen für Arbeit der Region, ein Plus von 1,5 Prozent im Vergleich zum selben Vorjahresmonat. Aktuelle Beschäftigtenzahlen für die gesamte Wirtschaft, die diesen positiven Trend bestätigen könnten  liegen auf regionaler Ebene nicht vor, die neueste Zahl ist die eingangs erwähnte Beschäftigtenzahl vom September letzten Jahres. Lediglich für Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 50 Beschäftigten gibt es neuere Zahlen auch für die Region Stuttgart: Im März 2014 lag die Beschäftigtenzahl in der hiesigen Industrie demnach mit 292.444 Beschäftigten gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 3.177 Personen bzw. ein Prozent über dem Vorjahreswert.

Die betrieblichen Beschäftigungspläne für die kommenden zwölf Monate deuten darauf hin, dass sich die positive Arbeitsmarkt- und Beschäftigungsentwicklung auch in den kommenden Monaten fortsetzen wird. Knapp 23 Prozent der Unternehmen wollen zusätzliches Personal einstellen, 65 Prozent beabsichtigen ihre Belegschaften in etwa konstant zu halten und gut 12 Prozent sehen sich zu einem Stellenabbau gezwungen. Zwar fällt die aktuelle Beschäftigungsneigung mit 10 Punkten etwas geringer aus als noch zu Jahresbeginn (12 Punkte), jedoch liegt sie weiterhin deutlich über ihrem langfristigen Durchschnitt von -7,8 Punkten. In fast allen Branchen ist die Beschäftigungsneigung in den letzten Monaten zurückgegangen. Nur in der Industrie ist sie ganz leicht gestiegen. Trotzdem sind die Beschäftigungspläne der Industriebetriebe weiterhin zurückhaltender als die der Dienstleister, Bauunternehmen und Händler. Innerhalb der Industrie ist der Personalbedarf in der Elektrotechnik (27 Punkte) und dem Maschinenbau (20 Punkte) überdurchschnittlich groß. Bei den Dienstleistern wollen besonders viele Technische Beratungsunternehmen (38 Punkte), Anbieter von Informations- und Telekommunikationsdiensten (35 Punkte) sowie kaufmännische und rechtliche Berater (21 Punkte) zusätzliches Fachpersonal einstellen. Im Handel fallen die Beschäftigungspläne im Großhandel (14 Punkte) positiver aus als im Einzelhandel (sechs Punkte).

Jedoch wird die Personalsuche nicht in allen Fällen erfolgreich verlaufen können, da insbesondere das Angebot an qualifizierten und hochqualifizierten Fachkräften zu gering ist, um den Bedarf zu decken. Der Anteil der Betriebe, die deshalb im Fachkräftemangel ein bedeutendes Geschäftsrisiko sehen, ist seit Jahresbeginn von 36 auf 41 Prozent gestiegen. In einzelnen Branchen ist die Betroffenheit sogar noch um einiges höher: Im Hotel- und Gaststättengewerbe sind es 78 Prozent, bei den ITK-Dienstleistern 68 Prozent, am Bau 65 Prozent, im Transport- und Verkehrsgewerbe 59 Prozent sowie bei den Architektur- und Ingenieurbüros 57 Prozent.

Die Unternehmen benötigen jedoch nicht ausschließlich qualifiziertes Personal. So wurden in der Region Stuttgart zwischen Juli und September letzten Jahres über 7.000 Arbeitskräfte ohne abgeschlossene Berufsausbildung im Zuge der sich belebenden Konjunktur zusätzlich sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ob sich eine vergleichbar positive Beschäftigungsentwicklung gerade für diese Personengruppe künftig wiederholen wird, ist angesichts des noch im abgefragten Planungshorizont (zwölf Monate) in Kraft tretenden allgemeinen Mindestlohns zumindest fraglich.

DOKUMENT-NR. 1417

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