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STANDORTPOLITIK, WIRTSCHAFTSPOLITIK

IHK-Vollversammlung fordert Weiterentwicklung des Landesflughafens

Die Wirtschaft braucht einen Landesflughafen mit Perspektive

Die Wirtschaft in der Region Stuttgart braucht einen leistungsfähigen Flughafen. Die Vorteile der Anbindung einer Region an den internationalen Luftverkehr kommen dabei vor allem den international agierenden Firmen zugute. Aufgrund der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung und des gestiegenen Kommunikationsbedarfs ist die schnelle und zuverlässige Erreichbarkeit weltweiter Wirtschaftszentren von entscheidender Bedeutung. Nach einer Umfrage der IHK wird inzwischen fast ein Drittel aller Geschäftsreisen mit dem Flugzeug durchgeführt. Die Ergebnisse der Befragung finden Sie zum Download in der Servicespalte neben dem Text.

Status quo

2001 starteten noch gut 73 Prozent aller Geschäftsflüge aus der Region Stuttgart am Landesflughafen, 2007 hat sich dieser Anteil auf über 83 Prozent gesteigert.

Allerdings wird die Qualität der Flugverbindungen von und nach Stuttgart nur noch als durchschnittlich bewertet. 2001 sahen noch circa 60 Prozent der Unternehmen das Angebot an Flugverbindungen als sehr gut oder gut an. 2007 waren es nur noch 47 Prozent. Vor allem bei den internationalen Destinationen wünschen die Unternehmen ein besseres Angebot.

Ein Wachstumsmarkt ist der Business- und Executivecharterbereich. Während 2001 nur ein Prozent der Geschäftsflüge mit Businesscharterunternehmen durchgeführt wurden, waren es bei der IHK-Umfrage im Jahr 2007 schon knapp vier Prozent.

Trotz neuer Terminals nimmt die Zufriedenheit der Fluggäste mit der Ausstattung und dem Serviceangebot am Flughafen ab. 2001 wurde dieses noch von rund 70 Prozent der Unternehmen als gut bis sehr bewertet. 2007 waren es noch circa 51 Prozent.

Perspektive

Da ein Hauptdefizit des Flughafens Stuttgart die nicht ausreichende Internationalität beim Flugangebot ist, ist eine Angebotsverbesserung bei wichtigen Langstreckenverbindungen anzustreben.

Außerdem sollte der Service verbessert werden. Neue Terminals bieten Geschäften, Gastronomie und Boutiquen alle Möglichkeiten, rund um die Uhr für die Fluggäste da zu sein. Viele der Serviceunternehmen, die im Flughafen tätig sind, könnten mit verbesserten Öffnungszeiten noch gezielter auf die Wünsche der Fluggäste eingehen.

Eine Verbesserung der äußeren Verkehrserschließung des Flughafens ist vor allem mit der notwendigen Leistungssteigerung durch den sechsspurigen Ausbau der B 27 verknüpft. Die Schienenanbindung soll durch eine Ertüchtigung der Signaltechnik zwischen den Stationen Rohr und Flughafen ab November 2008 erheblich verbessert sein. Dann werden werktäglich sechs (statt aktuell vier) Züge pro Stunde den Haltepunkt Flughafen bedienen. Sinnvoll sind auch die Pläne einer Verlängerung der Stadtbahn zum Flughafen und zur Messe. Langfristig ist mit der Entscheidung für das Bahnprojekt Stuttgart 21 die Grundlage für eine optimale Anbindung per Bahn geschaffen worden. Künftig wird jeder zweite ICE aus und in Richtung Stuttgart am Filderbahnhof halten. Über die Regionalzüge bekommen Städte wie Tübingen, Reutlingen und Horb eine direkte Anbindung an den Flughafen.

Forderungen der IHK

In ihrer Sitzung am 17. Juni 2010 hat die IHK-Vollversammlung mit überwältigender Mehrheit folgende Position beschlossen:

WIE ES IST: Die luftseitige Anbindung der Region wird in ihrer Entwicklung gehemmt

Der Landesflughafen Stuttgart ist für die Bürger und Unternehmen in Baden-Württemberg und der Region Stuttgart von elementarer Bedeutung. Der Flughafen ist ein wesentlicher Job-Motor in der Region und verbindet die international tätigen Unternehmen, wenn auch eingeschränkt, mit ihren
Absatz- und Beschaffungsmärkten in Europa und der Welt.

WAS IST ZU TUN: Die Blockade bei Verkehrsrechten muss beendet und dem Flughafen Entwicklungsmöglichkeiten zugestanden werden.

Größtes Manko des Stuttgarter Flughafens sind die nicht vorhandenen Direktverbindungen Richtung Asien. Den Fluggesellschaften, die Baden-Württemberg gerne an diese Zukunftsmärkte anbinden würden, werden von der Bundespolitik die Verkehrsrechte zur Aufnahmen des Flugbetriebes verwehrt. Dieser Eingriff in den Wettbewerb muss umgehend beendet werden.

Die Flächenverfügbarkeit auf den Fildern ist begrenzt. Dennoch bieten sich dem Flughafen Stuttgart Möglichkeiten, um auf die künftigen Verkehrszuwächse zu reagieren und entsprechend zu expandieren. Besonders wichtig für die Zukunftsfähigkeit ist die Westerweiterung des Vorfeldes, das Denkverbot bezüglich der zweiten Start- und Landebahn muss aufgehoben werden. Konzeptionen seitens der Politik zur Weiterentwicklung des Flugverkehrs in Baden-Württemberg sind zu begrüßen, wenn sie sich mit Fragen der Infrastrukturentwicklung beschäftigen. Dirigistische Eingriffe in das operative Geschäft - beispielsweise zur Frage, welcher Flughafen im Land vorrangig welche Destinationen bedient - sind unter marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten abzulehnen. Da nur die Nachfrage nach Luftverkehrsleistungen das Angebot bestimmt, ist eine nachfrageorientierte Entwicklung der Flugverkehrsinfrastruktur in Baden-Württemberg unerlässlich.

Aktuelle Entwicklung: Seit dem Frühjahr 2011 hat Qatar Airways einen Direktflug Stuttgart – Doha (drei Mal wöchentlich) im Angebot. Erste Schritte für eine Verbesserung des Angebotes internationaler Verbindungen ab Stuttgart sind demnach getan, weitere sollten folgen.

Stand: April 2011

DOKUMENT-NR. 2347

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