Viele Unternehmen, die Güter transportieren oder Personen befördern, klagen über Probleme bei der Besetzung offener Kraftfahrerstellen. Die IHK hat deshalb das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung e. V. (IAW) damit beauftragt, die Situation auf dem Fahrerarbeitsmarkt näher zu beleuchten. Neben einer Umfrage bei Werk-, Güterkraft- und Personenverkehrsunternehmen wurden dazu auch Gespräche mit Vertretern der Branche, der Verbände und der Politik durchgeführt.
Die gewonnenen Erkenntnisse zeichnen ein besorgniserregendes Bild:
Der Fahrermangel ist schon heute Wachstumsbremse: Zwei Drittel der Unternehmen sind vom Fahrermangel in verschiedenen Ausprägungen betroffen und können somit an der wirtschaftlichen Entwicklung nicht voll teilnehmen. 80 Prozent mussten bereits Aufträge ablehnen - bei einem Viertel der Unternehmen sind bereits Sendungen liegengeblieben.
Viele Unternehmen können offene Stellen nicht besetzen: Bei rund 43 Prozent der Unternehmen bleiben Stellen entweder gänzlich unbesetz oder sind länger als sechs Monate vakant. Vor allem im Personen- und im Güterkraftverkehr ist die Lage sehr angespannt, das Ausmaß der Probleme wächst mit der Unternehmensgröße.
Bewerber haben Defizite bei den „soft-skills”: Findet sich doch ein Bewerber, so bleibt die Stelle oft wegen der nicht ausreichenden persönlichen Qualifikation unbesetzt. Bei den „hard-skills”, also den fachlichen Voraussetzungen, erfüllen die Bewerber wesentlich häufiger die Anforderungen der Unternehmen (z.B. Führerschein, zusätzliche Befähigungsnachweise wie Staplerscheine oder ADR-Bescheinigungen).
Fahrermangel wird massiv zunehmen: Insgesamt knapp ein Drittel der Unternehmen plant in den nächsten zwei Jahren einen deutlichen, wenn nicht sogar starken Zuwachs des Fahrpersonalbestandes. Demgegenüber finden sich nahezu keine Unternehmen, die Fahrerstellen abbauen wollen. In der längerfristigen Betrachtung verschärft sich die Situation noch weiter - über die Hälfte der Unternehmen meldet für die nächsten zehn Jahre einen deutlichen Zusatzbedarf.
Berufsausbildung spielt aktuell eine untergeordnete Rolle: Nur sieben Prozent der Unternehmen setzen zur Reduzierung der Problematik auf die Ausbildung von Berufskraftfahrer/-innen. Die absolute Mehrzahl der Unternehmen scheint keine direkte Verbindung zwischen dem aktuellen bzw. künftigen Fahrermangel und der geringen Zahl an Ausbildungsverhältnissen in der Vergangenheit herzustellen.
Image des Berufes und der Branche muss verbessert werden: Die Zeiten, als der Kraftfahrer der König der Landstraße war, sind längst vorbei. Heute dominieren fest disponierte Touren in knappen Zeitfenstern die tägliche Arbeit des Fahrpersonals. Der Fahrer und sein „Brummi” werden für Staus, Lärm und Luftverschmutzung verantwortlich gemacht. Bei solch einem Image - und dieses orientiert sich leider an den schlechteren Beispielen - massiv Nachwuchs zu gewinnen, ist ein schwieriges Unterfangen. Die Unternehmen, Verbände und auch die Politik sind gefordert, das Image der Branche zu verbessern.
Die detaillierten Ergebnisse finden Sie in der Rubrik 'Downloads'. Die gedruckte Fassung können Sie bei Herrn Götz Bopp kostenfrei beziehen (Kontaktdaten im Feld 'Ansprechpartner').
Stand: Mai 2008