"Gefragt sind Standortqualitäten, nicht Quadratmeter"
Kleine und mittelständische Unternehmen im Rems-Murr-Kreis halten eine ausreichende Verfügbarkeit von Gewerbeflächenreserven trotz der aktuellen Wirtschaftskrise für einen entscheidenden Standortfaktor. Die örtliche Lage, die baurechtlichen Voraussetzungen und die Verkehrsanbindung haben dabei allerdings eine deutlich größere Bedeutung als der Umfang der Flächenreserven, erläutert Prof. Dr. Alfred Ruther-Mehlis, Leiter des Instituts für Stadt-und Regionalentwicklung (IfSR) an der Hochschule Nürtingen-Geislingen anlässlich der Vorstellung der kreisweiten Gewerbeflächenstudie beim 1. Investorenforum Rems-Murr-Kreis. „Gefragt sind spezielle Standortqualitäten, nicht Quadratmeter“. Im Auftrag der Landratsamtes, der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr, der SWN Kreissparkasse Waiblingen und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH hat Ruther-Mehlis in 12 Gesprächsrunden das Expertenwissen von über 80 Vertretern von Unternehmen, der Immobilienwirtschaft und Kommunen in die Studie einfließen lassen.
Ziel der Studie sei es aufzuzeigen, welche Entwicklungsmöglichkeiten die Unternehmen im Rems-Murr-Kreis haben, um sich in Zukunft hier weiterentwickeln zu können und wie groß der voraussichtliche Flächenbedarf seitens der Firmen mittelfristig sein wird. „Jetzt stellen die Unternehmen die Weichen für die Zeit nach der Krise. Dem Landkreis ist es ein wichtiges Anliegen, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen“, fasst Landrat Johannes Fuchs die Motivation für die Erstellung der Studie zusammen. Auch gehe es darum, die bereits vorhandenen Flächenreserven ins Blickfeld zu rücken. „Die Mobilisierung und Aktivierung vorhandener Brachflächen bzw. ungenutzter Gewerbeobjekte ist ein wichtiger Aspekt der Gewerbeflächenstudie. Aufgrund der natürlichen Gegebenheiten und der planerischen Vorgaben können im Rems-Murr-Kreis künftig kaum noch großflächige Gewerbegebiete ausgewiesen werden“, unterstreicht Landrat Johannes Fuchs.
Bei den Unternehmen im Kreis bestehe ein enormes Interesse daran, sich mittel bis langfristige Erweiterungsmöglichkeiten vor Ort zu sichern, fasst Claus Jürgen Paal, Präsident der IHK-Bezirkskammer Rems-Murr, seinen persönlichen Eindruck aus den Gesprächen zusammen: „Die Verfügbarkeit ausreichender Entwicklungschancen in unmittelbarer Nähe zum Stammsitz ist neben der Gewinnung von Fachkräften ein Schlüsselfaktor der Wettbewerbsfähigkeit. Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssen in Boomphasen in der Lage sein, ihre Kapazitäten kurzfristig auszuweiten, um spätere konjunkturelle Dürrephasen unbeschadet zu überstehen.“ Für die öffentliche Hand, insbesondere für Bürgermeister, Stadtplaner und Wirtschaftsförderer, resultiere daraus die Anforderung, die individuellen Entwicklungsperspektiven der örtlichen Unternehmen frühzeitig wahrzunehmen, betont Paal.
Diese Einschätzung teilt auch Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS): „So ist bei Kommunen aber auch in der Immobilienwirtschaft zu wenig bekannt, dass auch im Rems-Murr-Kreis professionell geführte Gewerbeparks bisher nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen. Mit der Studie haben die Städte und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis fundierte Informationen für die Planung und Ausweisung von Gewerbegebieten und die Kontaktpflege zwischen Kommunen und Unternehmen zur Hand. Das persönliche Gespräch zwischen Kommune und Unternehmen als zentrales Element der Bestandspflege ist durch nichts zu ersetzen. Standortsicherung ist immer das Ergebnis gemeinsamer Bemühungen. Kommunale Wirtschaftsförderungen können dabei jederzeit auf die Kenntnisse und Erfahrungen der WRS im Gewerbeflächenmanagement und auf ihre entsprechenden Services zurückgreifen.“
Für Albert Häberle, Vorsitzender des Vorstands der SWN Kreissparkasse Waiblingen, ist die Studie vor allem ein enormer Gewinn an Transparenz und Klarheit für die Planung. Die Angebotsseite, also das vorhandene Angebot an Gewerbeflächen, ließe sich mit etwas Aufwand ganz gut erheben. Was hingegen meist völlig im Unklaren liege, sei der zukünftige Bedarf nach Gewerbeflächen seitens der Unternehmen. „Dass es uns gelungen ist, von den Unternehmen Einschätzungen hinsichtlich des voraussichtlichen Bedarfs an Gewerbeflächen in den nächsten Jahren zu erhalten, sehe ich als großen Mehrwert der Studie an. Für unser Haus liefern die gewonnenen Erkenntnisse zu Trends und Branchenentwicklungen wertvolle Hinweise für die zukünftige Geschäftstätigkeit.“
Da der Landkreis teilräumlich sehr unterschiedliche Prägungen nach der Wirtschaftsstruktur, den Pendlerbeziehungen und den naturräumlichen Rahmenbedingungen aufweist, wurde der Kreis in die vier Teilräume Vorderes Remstal, Backnang, Rems-Murr-Nordost und Schorndorf unterteilt. In jedem Teilraum fanden drei gesonderte Gesprächsrunden mit Vertretern von produzierenden Betrieben, dem Handels und Dienstleistungsgewerbe sowie den Kreiskommunen statt.
Die vollständige Studie kann kostenfrei beim Landratsamt Rems-Murr-Kreis, Stabstelle Wirtschaftsförderung, Tourismus und Europa, Tel. 07151/501-1201 bestellt werden.



