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Am 26. Januar feiert der frühere Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart Dr. Günther Steuer seinen 100. Geburtstag. Der promovierte Volkswirt war bis 1977, unterbrochen von Krieg und Gefangenschaft, 40 Jahre in der Kammer tätig. Er war maßgeblich an der Gründung der württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) sowie der Berufsakademie (heute Duale Hochschule) beteiligt und setzte damit wichtige Akzente in der baden-württembergischen Bildungslandschaft.
Als Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern in Württemberg-Baden, dann als Hauptgeschäftsführer der Stuttgarter IHK sowie in den Gremien des damaligen Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHT) trug er entscheidend zur Entwicklung der beruflichen Bildung im Land bei.
„Die voran schreitende und immer komplexere Technisierung der Arbeitswelt erforderte eine stetige Modernisierung der Aus- und Weiterbildung“, erinnert sich der ehemalige IHK-Hauptgeschäftsführer. Die Betriebe wünschten sich zugleich einheitliche Aus- und Weiterbildungsinhalte und anerkannte Abschlüsse. Steuer wirkte erfolgreich an der Umsetzung solcher Wünsche mit.
Das Berufsbildungsgesetz stellte 1969 die zersplitterte Lehrlingsausbildung auf eine bundeseinheitliche Basis. In der Weiterbildung eröffneten Fortbildungsabschlüsse wie der Betriebswirt, der Fachwirt oder der Meister engagierten Menschen mit einer dualen Ausbildung neue Möglichkeiten: Sie können sich dank solcher Abschlüsse in ihrem Beruf weiter qualifizieren und ohne Abitur und Studium Karriere machen. Ende der 60er Jahre kam in den IHK-Gremien die Idee auf, das bewährte Prinzip der dualen Ausbildung in einer akademischen Erstausbildung anzubieten. Mit der Gründung der ersten Berufsakademien in Stuttgart und Mannheim 1974 konnte die von Steuer begeistert verfolgte Idee verwirklicht werden, die in den folgenden Jahrzehnten auch andere Bundesländer aufgegriffen haben.
In den Nachkriegsjahren war der Aufbau der IHK-Organisation wie auch der öffentlichen Verwaltung und der politischen Strukturen ein bestimmendes Thema. „Die strittige Debatte über einen neuen Südwest-Staat, die auch nach der Volksabstimmung 1951 und der Gründung Baden-Württembergs in Teilen Badens fortgesetzt wurde, hat viele Jahre die Zusammenarbeit im Land nicht leicht gemacht“, so Steuer im Rückblick. Der frühere Ministerpräsident Gebhard Müller hatte zu Steuers Einsatz für das neue Land Baden-Württemberg einst erklärt: „Er kann mit Befriedigung und Stolz feststellen, dass sein Mühen nicht umsonst gewesen ist“.
Dem früheren IHK-Hauptgeschäftsführer waren effiziente Strukturen in der IHK-Organisation und in der öffentlichen Verwaltung immer wichtig, damit die Unternehmen mit möglichst wenig Bürokratie belastet agieren können. So war er als Mitglied der „Reschke-Kommission“ an der Reform der Stadt- und Landkreisgrenzen beteiligt. Die Fusion von vier selbstständigen Kammern in der Region zur heutigen IHK Region Stuttgart 1972 war in großem Maß sein Verdienst. Dass dieses föderale Modell in der wirtschaftlichen Selbstverwaltung seitdem in anderen Regionen keine Nachahmung gefunden hat, bedauert der 100-Jährige.
IHK-Präsident Dr. Herbert Müller würdigt den Jahrzehnte langen Einsatz des ehemaligen Hauptgeschäftsführers für die Wirtschaft der Region Stuttgart mit dem Hinweis, dass ,,Vollversammlung, Präsidium und Geschäftsführung der IHK noch heute von seiner Arbeit und der Art und Weise profitieren, wie er der IHK auf dem Weg zu einem modernen Dienstleister und Berater für Politik, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung Werte und Kurs gegeben hat."
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