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Keine Region in Europa gibt mehr Geld für neue Mobilitätsformen aus

Interview mit Franz Loogen, Geschäftsführer der e-mobil BW GmbH

Baden-Württemberg hat im Technologiewettlauf um das klimafreundliche Auto eine gute Startposition, erklärt Franz Loogen, Geschäftsführer der neuen landeseigenen Agentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie (e-mobil BW GmbH) im Interview mit dem Magazin Wirtschaft.

Herr Loogen, Sie sollen die Elektromobilität in einem Land voranbringen, dessen Industrie vom Verbrennungsmotor geprägt ist. Stehen Sie auf verlorenem Posten?

Davon kann keine Rede sein, die Automobil-Unternehmen in Baden-Württemberg sind schon längst in die elektromobile Zukunft gestartet und sind sehr weit in der Forschung und Entwicklung neuer Elektromobilitätskonzepte. Das deckt die gesamte Palette von Hybridlösungen über reine batterieelektrische Fahrzeuge bis hin zu Brennstoffzellenautos ab.

Baden-Württemberg behält also Anschluss?

Es gibt keine Region in Europa, die mehr Geld für Forschung und Entwicklung neuer Mobilitätsformen ausgibt als Baden-Württemberg. Um diesen Technologiewandel weiter voranzutreiben und vor allem kleine und mittlere Unternehmen in den Innovationsprozess einzubinden, investiert das Land außerdem 28,5 Millionen Euro in eine Landesinitiative Elektromobilität. Wir haben eine ungeheure Menge an Wissen in Forschungseinrichtungen oder auch mittelständischen Unternehmen. Und es gibt bedeutende Aktivitäten der Großunternehmen auch in der Fertigung.

Wo zum Beispiel?

Denken Sie an die Investitionen von Samsung/Bosch in Stuttgart oder von Daimler in Kirchheim-Nabern. Die Elektro-A-Klasse wird im Werk Rastatt vom Band rollen.

Aber die meisten Zulieferer sind vom Verbrennungsmotor abhängig. Sind Sie sicher, dass der Elektro-Trend der Region insgesamt mehr nützt als schadet?

Es ist klar, dass der Verbrennungsmotor noch lange die Grundlast der Mobilität tragen wird. Deshalb macht es Sinn, auch an seiner Optimierung zu arbeiten. Die Effizienztechnologien werden in den kommenden Jahren deutlich an Marktvolumen gewinnen. Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsministeriums geht davon aus, dass der Umsatz in diesem Bereich bis 2020 um über 2,1 Mrd. Euro in Baden-Württemberg steigen wird.

Und der Markt für Elektromobilität?

Auch er wird kräftig zulegen. Die Bundesregierung rechnet im Jahr 2020 bereits mit einer Million Elektrofahrzeugen auf den Straßen. Wir sind in Baden-Württemberg keineswegs zu spät dran. Aber es ist wichtig, dass die Firmen jetzt ihr Know-how aufbauen. Dann sind sie dabei, wenn diese Technologie großserienfähig wird.

Wie konkurrenzfähig sind Elektroautos angesichts der geringen Reichweite und der langen Ladezeiten?

Es wird zurzeit intensiv daran gearbeitet, diese Begrenzungen zu überwinden, zum Beispiel in der Fraunhofer-Projektgruppe Neue Antriebssysteme, die das Land mit 10 Millionen Euro fördert. Auch die Brennstoffzellentechnologie bietet eine gute Perspektive für CO2-freie Langstreckenfahrten. Ab Herbst kommen die ersten B-Klasse F-Cell auf den Markt – mit einer Reichweite von gut 300 km. Davon abgesehen eignen sich Elektrofahrzeuge aber schon jetzt hervorragend für Berufspendler. Nur sehr wenige Fahrten zur Arbeit und zurück liegen außerhalb ihrer Reichweite. Und ein Pendlerauto steht viel, damit ist ausreichend Ladezeit vorhanden.

Wo liegen zurzeit Ihre Schwerpunkte?

Sehr wichtig ist uns die gute Verankerung der Elektromobilität in der Aus- und Weiterbildung. Deshalb wirken wir an der Gestaltung entsprechender Ausbildungsgänge mit – dabei sind die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern entscheidende Ansprechpartner. Außerdem haben wir eine Clusterinitiative „Industrialisierung der Elektromobilität” auf den Weg gebracht, mit der eine Brücke zwischen Forschungseinrichtungen und kleinen und mittleren Unternehmen geschlagen werden soll. Im kommenden Jahr werden wir mit damit am hoch dotierten Spitzencluster-Wettbewerb des Bundeministeriums für Bildung und Forschung teilnehmen.

DOKUMENT-NR. 34215

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