04. Februar 2010
IHK warnt vor dem Entstehen einer neuen Finanzmarktkrise
Flexibilisierung des Arbeitsmarktes gefordert
Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, Dr. Herbert Müller, appelliert an die Unternehmen in der Region, sich auf das Entstehen einer neuen Finanzmarktkrise und eine damit verbundene Rezession einzustellen. „Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass eine neue Weltordnung für nachhaltiges Wachstum Realität wird“, mahnt Müller. „Die neuen Finanzmarktregeln werden so lange aufgeschoben, bis die Konjunktur wieder läuft. Diese Zeit nutzen die Banken, um durch Spekulation Eigenkapital zu bilden – und das ist verbunden mit dem Risiko einer neuen Finanzmarktkrise.“ Außerdem sei abzusehen, dass die Zentralbanken irgendwann die Zinsen anheben, um einer drohenden Inflation vorzubeugen. Für die Realwirtschaft könne dies das Zurückgleiten in eine Rezession bedeuten.
Hinzu komme, dass es weltweit noch immer große Risiken in den Bankbilanzen gebe. Alleine in der EU hätten diese nach Angaben der Europäischen Zentralbank noch toxische Wertpapiere in Höhe von 200 Milliarden Euro in den Büchern, die abgeschrieben werden müssten, so Müller. Er fürchtet, dass die Banken den sich abzeichnenden Aufschwung nicht ausreichend finanzieren können.
Eine weitere Wachstumsbremse sieht der IHK-Präsident in der durch die Wirtschaftskrise horrend angestiegenen Staatsverschuldung. Bund, Länder und Gemeinden planen nach seinen Worten für 2010 ein Defizit von 146 Milliarden Euro. Damit bewege sich die Staatsverschuldung in Richtung zwei Billionen Euro, was rund 80 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt entspreche. „Wenn wir so weitermachen wie bisher, haben wir keine Chance, jemals von dieser Verschuldung und damit auch von der immer weiter steigenden Zinsbelastung herunterzukommen“, so Dr. Müller. „Eine Reduzierung der Verschuldung muss – so schwer es uns fällt – Staatsziel Nummer 1 werden. Alle müssen sparen, auch wenn es auf Kosten unseres Wachstums geht.“
Der IHK-Präsident appelliert an die Unternehmen, sich bereits heute auf den nächsten Abschwung einzustellen und sich möglichst flexibel aufzustellen. Insbesondere empfiehlt er
- Vorhalten von Liquidität, so lange es welche gibt
- nur sehr vorsichtige Investitionen in Anlagevermögen
- Flexibilisierung der Belegschaft
Dr. Müller: „Unser Erfolg im Export und damit unser Wachstum hängen davon ab, dass andere Länder unsere Güter importieren. In den Jahren des Booms haben sich dabei erhebliche Ungleichgewichte ergeben: Die USA und viele andere Länder haben aufgrund ihrer Importe ein Leistungsbilanzdefizit aufgebaut und zwar auf Pump. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.“



