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MARKETING-TIPPS

Auch Firmen nützt Twittern

Magazin Wirtschaft Nr. 11/2009
Mittelstand, Marketing

Auch Firmen nützt Twittern

Twitter ist zur Zeit in aller Munde, aber was macht Twitter so besonders im Vergleich zu den „klassischen” Online-Kanälen? Twitter ist ein sogenannter Micro-Blogging-Dienst – entstanden aus der Idee, Nachrichten von Mobiltelefonen zu veröffentlichen. Der Dienst zeichnet sich durch die Kürze der Nachrichten und die Veröffentlichung in Echtzeit aus.

Interessieren Sie sich für die Tweets anderer Nutzer, können Sie diesen „followen”. Sie bekommen dann deren Tweets auf Ihren Account. Gleichzeitig folgen Ihnen natürlich auch andere Nutzer. Diese heißen „Follower” und sehen Ihre neuesten Nachrichten sofort. Mit dem Kürzel RT „zitiere” ich den Tweet eines anderen Twitterers in meine eigene Twitter-Liste. Diese „Retweets” sehen auch wieder alle meine Follower. Wird ein Tweet oft „retweeted” wird er von sehr vielen Empfängern gelesen und erreicht damit eine enorme Reichweite.

Mit einem Hash # gebe ich meinem Tweet bestimmte Schlagworte mit. Hashs sind der dritte Multiplikator in Twitter. Viele User verfolgen Themen-Hashs und werden dadurch auf Tweets aufmerksam gemacht. Natürlich gibt es in Twitter auch eine Suche, mit der ich Volltext in allen Tweets suchen kann. Dazu muss der User nicht angemeldet sein. Die Frage, wie Twitter sinnvoll im Unternehmen eingesetzt werden kann, ist nicht leicht zu beantworten. Noch hat sich keine klare Erfolgsstrategie herauskristallisiert – selbst Twitter hat noch kein funktionierendes Geschäftsmodell gefunden. Trotzdem sollte man den Einsatz für das eigene Unternehmen ernsthaft prüfen. Folgende fünf Fragen helfen dabei weiter:

  • Welches Ziel wollen Sie mit Twitter verfolgen? Markenaufbau, Abverkauf oder Kundenbindung? Oder alles davon?
  • Kann Ihr Unternehmen Inhalte bieten, die Mehrwert für andere User darstellen und gleichzeitig Ihren Zielen nutzt?
  • Gibt es im Unternehmen einen Mitarbeiter der Zeit, Lust und die notwendige Schreibe besitzt, um regelmäßig zu twittern?
  • Wird Ihr Unternehmen oder werden Ihre Produkte bereits auf Twitter diskutiert?
  • Sind Sie als Chef bereit für Web 2.0 in seiner vielleicht extremsten Form?

Insbesondere der letzte Punkt ist nicht leicht zu beantworten. Web 2.0 ist nicht klassische PR (und schon gar keine Fake-PR) – hier gelten andere (bessere?) Regeln. Gerade im Krisenfall ist Web 2.0 ein Risiko – überstürzte Aktionen können hier verheerend wirken, fehlende Reaktionen aber auch. Um Probleme zu vermeiden: Offenheit, Ehrlichkeit und Kritikfähigkeit sind die Grundpfeiler für einen erfolgreichen Web 2.0-Einsatz.

Haben Sie sich für den Einsatz von Twitter entschieden und geeignete Mitarbeiter und Themen gefunden, gelten ein paar wichtige Grundregeln:

Bennenen Sie zunächst einen Verantwortlichen und einen Vertreter, die mit ihrem Namen für den Account stehen. Anonymität ist immer schlecht. Der Verantwortliche sollte befugt sein, innerhalb des gewählten Themenumfelds Aussagen über das Unternehmen zu treffen. Am besten wird ein Social-Media-Governance-Modell entwickelt, das Handlungssicherheit gibt. Schließlich kann er nicht jede Aussage zur Genehmigung vorlegen - dazu ist Twitter viel zu schnell. Ihr Twitter-Namen sollte möglichst nah an Ihrem realen (Marken)namen gewählt werden. Keine Pseudonyme. Auch sollte die Twitter-Seite und insbesondere das kleine Twitter-Visual so individualisiert werden, dass es zu Ihrem iCorporate Design passt. Tweets sollten in der Regel einen Mehrwert bieten und unterhaltsam geschrieben sein. Dabei muss nicht immer alles total ernst sein. Es dient durchaus zur Auflockerung, auch mal etwas Privates zu twittern. Aber Vorsicht: (Fast) alles ist öffentlich und wird lange gespeichert (und durch Google) gefunden. Also erst denken, dann twittern.

Links auf Ihre Homepage nicht vergessen!

Die Tweets sollten Links auf Ihre Websites enthalten. Google bewertet Twitter – trotz kürzlicher Abwertung – gut. Die Links zahlen also auf das Backlink-Konto der Website ein. Short-URL-Services helfen dabei, in den 140 Zeichen zu bleiben, die maximal möglich sind. Nur in Ausnahmefällen sollten die Inhalte auf zwei Tweets verteilt werden.

Um in der Community wahrgenommen zu werden, müssen Sie regelmäßig twittern. Einmal pro Woche reicht da nicht! Und weil es sich um ein Echtzeit-Medium handelt, sollten Sie dann online sein, wenn es Ihre Zielgruppe ist. Studien zeigen, dass ein Tweet fünf Minuten nach seiner Veröffentlichung kaum noch gelesen wird.
Ihre Wirkung können Sie deutlich erhöhen, wenn Sie Twitterer, die sich mit ähnlichen Themen wie Sie beschäftigen, suchen und bei diesen Follower werden. Schon bald werden diese – wenn die Tweets interessant sind - den eigenen Account „followen”. Aktive Beteiligung an Diskussionen und „retweeten” von interessanten Meldungen fördert die Akzeptanz bei den anderen Twitter-Usern.

Und dann heißt es, dran bleiben, ausprobieren und auch mal eine Niederlage einstecken. Das führt am Ende zum Erfolg. Zwar gibt es bei Twitter noch kein Erfolgsrezept, aber es honoriert inspirierende Ideen.

Simon Loebel

I H K - T I P P
9 Ideen, was Unternehmen mit Twitter machen können
  • Als Berater twittert man über die Themen, in denen man sich auskennt.
  • Als Produktanbieter baut man entweder die Marke durch Geschichten und Hintergrundinfos rund um das Produkt auf–
  • –oder twittert zum Abverkauf zur richtigen Zeit aktuelle Angebote oder Neuerscheinungen–
  • –oder diskutiert mit Kunden über das Produkt und die Verwendung.
  • Als Mitarbeiter der Konzernkommunikation gibt man Interessierten (Journalisten) exklusive Einblicke in das Unternehmen.
  • Als Team von Experten diskutiert man (nicht ganz so geheimes) Wissen online – und schafft sich Reputation.
  • Als Verantwortlicher für interne Kommunikation nutzt man einen Twitter-Open- Source-Clone zum internen Dialog.
  • Als CEO im Rampenlicht begleitet man seinen Alltag – zum Aufbau des Mythos.
  • Als Celebrity bringt man den Beweis, dass man zu den Top VIPs gehören. Noch nie war es so leicht.

DOKUMENT-NR. 33997

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